Rezensionen
An dieser Stelle finden Sie monatliche Rezensionen zu
unseren persönlichen Buchempfehlungen.
Empfehlung für den Monat September 2026
Trude Teige: Als Großmutter im Regen tanzte

Die Norwegerin Juni stößt nach dem Tod ihrer Mutter beim Aufräumen auf alte Briefe und Fotos. Neugierig geworden beginnt sie, die Geschichte ihrer Großmutter zu erforschen und stößt dabei auf unglaubliche, ihr völlig unbekannte Tatsachen. So erfährt sie, dass diese sich in einen deutschen Wehrmachtssoldaten verliebt hatte und mit ihm nach Deutschland gegangen war.
Fesselnd und emotional schildert Trude Teige einen Teil ihrer Familiengeschichte und beleuchtet dabei einige dunkle Seiten des 2. Weltkrieges, so z.B. das Schicksal der norwegischen Besatzungsbräute.
Empfehlung für den Sommer 2026
Sofia Lundberg: Woran wir uns erinnern

Mathematikprofessor Jack Johansson beginnt sein Gedächtnis zu verlieren. Sein einziger Halt sind mathematische Formeln, die er nächtelang auf die Wand seines Arbeitszimmers auf der Universität schreibt. Mit ihnen versucht er verzweifelt, seine Erinnerungen an ein längst vergangenes, geheimnisvolles Leben zu bewahren. In seiner Not wendet er sich an seine Tochter Malin, zu der er wenig Kontakt hat. Diese steht nun vor großen Herausforderungen: sie ist alleinerziehende Mutter eines Teenagers und neben ihrer Arbeit Sängerin einer Band, die auf den Durchbruch wartet. Jetzt ist sie auch noch mit der Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters konfrontiert. Von dessen schwieriger Vergangenheit erfährt sie erst nach und nach.
Sofia Lundgren beschreibt warmherzig und berührend die sich ändernde Beziehung zwischen Vater und Tochter und die Herausforderungen einer Demenzerkrankung.
Empfehlung für den Monat Juni 2026
Robert Seethaler: Die Straße

Die Heidestraße hat schon bessere Tage gesehen. Den Bewohnern stehen Veränderungen bevor, denn die Magistratsverwaltung plant Neuerungen. Nach und nach lernt man die Gemeinschaft der Heidestraße kennen: Die Bewohner des Altersheims und dessen Leiterin, die Blumenhändlerin, die Bäckerei, das neu eröffnetes Antiquariat, ein Jugendlicher, der mit seiner Aggression nicht umgehen kann, der neue Pfarrer, der dem alten nachfolgt. Die Bewohner des Hauses, das zwangsgeräumt werden soll.
Der Leser taucht ein in die Gedanken und Gefühle, Tagesabläufe und Beobachtungen der einzelnen Bewohner der Straße. Die Straße ist kein klassischer Roman, sondern mehr eine Art Kaleidoskop menschlicher Erfahrungen aus der jeweiligen Perspektive: es geht um enttäuschte Liebe, windige Immobiliengeschäfte, Obdachlosigkeit und Rassismus. Ein sensibles, lesenswertes Abbild einer Straßengemeinschaft.
Empfehlung für den Monat Mai 2026
Jana Revedin: Die Gärtnerin von Venedig

Die junge Gärtnerin Eri kommt aus ihrer Bergbauernheimat in Deutschland nach Venedig, um bei einem EU-Projekt zur Wiederbepflanzung der Lagune zu arbeiten. Hartnäckig kämpft sie nicht nur gegen Kälte und Nebel, sondern auch gegen Widerstände. Doch es gelingt ihr rasch, Freundschaften zu schließen, mit deren Hilfe sie Missstände aufdecken und das Projekt retten kann.
Revedin erzählt in diesem Roman erneut eine wahre Geschichte und nutzt dabei eine stellenweise poetische Sprache, die die besondere Stimmung der venezianischen Lagune lebendig werden lässt und die Sehnsucht weckt, diesen Ort selbst zu entdecken.
Empfehlung für den Monat April 2026
Robert Menasse: Die Lebensentscheidung

Franz Fiala findet, er hat lange genug bei der Europäischen Kommission in Brüssel gearbeitet, und reicht seinen frühzeitigen Ruhestand ein. Sein Idealismus, für die EU zu arbeiten, ist verschwunden, auch das Pendeln zwischen Brüssel und Wien, wo seine 89jährige Mutter lebt, ermüdet ihn. Er verschweigt seiner Mutter seine Kündigung, auch weil ihr Zustand sich zunehmend verschlechtert. Als Franz Fiala unheilbar erkrankt, hat er nur mehr ein Ziel: seine Mutter zu überleben, um ihr nicht den Tod des Sohnes zumuten zu müssen.
Menasse erzählt feinfühlig und empathisch über die Beziehung zu seiner Mutter und stellt die Frage, ob es möglich ist, über die Länge seines Lebens zu entscheiden.
Empfehlung für den Monat März 2026
Nelio Biedermann: Lázár

Als Baron Lajos von Lázár in den 1920ern sein Erbe antritt schafft er es, das Familiengut in Südungarn nochmal zur Blüte zu bringen. Doch in der Familie herrschen Schwermut und Wahnsinn, und Lajos‘ Kinder Eva und Pista müssen miterleben, wie Reichtum und Glanz des Adels vor dem Hintergrund des Untergangs des Habsburgerreichs und der sich ändernden politischen Verhältnisse schwinden.
In einer sehr bildreichen, dichten Sprache wird über drei Generationen die Familiengeschichte der ungarischen Barone von Lázár erzählt. Trotz aller Umstände finden jedoch auch Träume, Liebe und Leichtigkeit Platz in dieser Saga.
Empfehlung für den Monat Februar 2026
John Irving: Königin Esther

Jimmy Winslow wächst in den 1940er Jahren in einer kleinbürgerlichen Ortschaft in New Hampshire auf. Von Beginn an fühlt er seine Andersartigkeit: Er hat zwei Mütter, ist jüdischer Herkunft und sein einziger Wunsch ist es, Schriftsteller zu werden. Auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter Esther verbringt Jimmy als Student ein Jahr in Wien, wo er bei einer antisemitisch eingestellten Familie zur Untermiete wohnt. Seinen beiden Mitbewohnern wird er lebenslang verbunden bleiben, denn er will den Plan seiner Mutter umsetzten: um der Wehrpflicht zu entgehen, soll er ein Kind zeugen.
Irvings 16., breitschichtiger Roman umfasst einen Zeitraum von rund 300 Jahren und greift viele Themen auf: alternative Familienstrukturen, die Geschichte des Antisemitismus, die Rechte von sexuellen Minderheiten und die Liebe von Eltern zu ihren Kindern.
Empfehlung für den Monat Jänner 2026
Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen

Eine Schriftstellerin wird von einem namhaften Theaterregisseur gebeten, im südamerikanischen Dschungel an der Rekonstruktion eines Falles von zwei verschwundenen Holländerinnen teilzunehmen. Sie nimmt eine lange Reise auf sich und trifft dort auf die anderen Teilnehmer des Projekts. Ihre Aufgabe dabei: alles schriftlich festzuhalten, jede Begebenheit, jedes Gespräch untereinander.
Der schmale, mit dem Deutschen Buchpreis 2025 ausgezeichnete und fast durchwegs in indirekter Rede gehaltene Band erzählt nicht nur von den Erfahrungen und Bedingungen im tropischen Dschungel, sondern lässt tief in die Abgründe der menschlichen Existenz blicken.
Empfehlung für den Monat Dezember 2025
Beate Maly: Aurelia und die Jagd nach dem Glück

Wien, 1871: Mitten in der Ballsaison wird der zwielichtige Lottokönig Freiherr von Sothen aus nächster Nähe erschossen. Verdächtige gibt es ausreichend, Oberinspektor Janek Pokorny ermittelt in alle Richtungen. Unterstützung erhält er von der jungen Gräfin Aurelia von Kolowitz, als diese die Witwe des Mordopfers kennenlernt. Doch Aurelia kämpft auch mit den strengen Konventionen ihrer Zeit: die soziale Ungerechtigkeit gegenüber Frauen ist ihr ein Dorn im Auge, außerdem soll sie endlich wider ihren Willen heiraten.
Bereits zum dritten Mal hilft Aurelia mit ihrer unbekümmerten, erfrischenden Art und ihren Kontakten zum Adel dem jungen, feschen Oberinspektor Janek. Ein Wien-Krimi zu einem historisch belegten Kriminalfall - für alle Fans von Cosy Crime.
Empfehlungen für den Monat November 2025
Vea Kaiser: Fabula Rasa

Angelika Moser, aufgewachsen in den 1970ern im Gemeindebau mit einer alleinerziehenden Mutter, arbeitet als Buchhalterin im noblen Grand Hotel Frohner. In der Welt der Zahlen kennt sie sich aus. Die Welt der Reichen und Schönen vor Augen, sieht sie sich trotz beruflichen Aufstiegs außerstande, mit ihrem Gehalt ein nur annähernd luxuriöses Leben zu finanzieren. Als sie auch noch Alleinerzieherin wird und die Demenz Ihrer Mutter voranschreitet, nimmt sie die Gelegenheit wahr, sich Geld von ihrem Arbeitgeber zu „borgen“. Viele Jahre lang bleibt ihr Geheimnis bewahrt.
Vea Kaiser erzählt gewohnt packend und vielschichtig diese wahre Kriminalgeschichte über einen Zeitraum von 3 Jahrzehnten, gespickt mit viel Wiener Lokalkolorit.
Heinrich Steinfest: Das schwarze Manuskript

Der reiche Industrielle Ashok Oswald lebt ein sorgenfreies Leben in seiner Villa in Köln, bis sich eines Tages die Ereignisse überschlagen: Seine Frau verlässt ihn, woraufhin er prompt seinem Leibwächter kündigt, nur um kurze Zeit später von Einbrechern überfallen zu werden. Sie verlangen von ihm das Manuskript eines Romans, welches er im Jahr 1983 als junger Mann in Wien von einem Bekannten zur Verwahrung angenommen hatte und welches seither in Vergessenheit geraten war. Kurzentschlossen legt Oswald sein Amt nieder und begibt sich zusammen mit einer gemeinsamen Freundin, einer Wiener Schauspielerin, auf die Suche nach dem Autor in der Hoffnung, das Rätsel um das mysteriöse Manuskript zu lösen.
Steinfests neuer Roman ist gewohnt skurril und voller Verstrickungen, die Geschichte bleibt spannend bis zum Schluss.
Empfehlung für den Monat Oktober 2025
Martina Parker: Miss Vergnügen

Miss Brooks, eine mittelalterliche Britin und etwas aus der Zeit gefallen, verschlägt es ohne ihren Willen nach Wien zu ihrer Halbschwester und ihrem Schwager. Als dieser - ein wichtiger Manager eines Luxuskosmetik-Konzerns - ebenso ermordet wird wie ein weiterer Kosmetikmogul, beschließt Miss Brooks, der Sache auf den Grund zu gehen. Tatkräftige Unterstützung erhält sie von einer prominenten Moderatorin und einer Lifestyle-Journalistin.
Der Auftakt zur neuen Miss-Brooks-Serie spielt in der Wiener High-Society. Pointierte Charaktere, Wiener Schmäh und ungeahnte Wendungen sorgen für großes Lesevergnügen.
Empfehlungen für den Monat September 2025
Charlotte McConaghy: Die Rettung

Dominic führt ein außergewöhnliches Leben inmitten der Natur: allein mit seinen drei Kindern wohnt er in einem Leuchtturm auf einer entlegenen, unwirtlichen Insel. Die Forschungsbasis samt den Wissenschaftlern wurde bereits evakuiert, da die Insel vom Hochwasser bedroht ist. In wenigen Wochen soll auch die Familie von einem Schiff abgeholt werden. Als in einer stürmischen Nacht eine Frau an Land gespült wird, gerät Dominics Welt und die seiner Kinder aus den Fugen.
Neben der außergewöhnlichen Beschreibung von Naturgewalten und der Bedrohung des ökologischen Gleichgewichts geht es in diesem spannenden Roman um Zusammenhalt und Vertrauen innerhalb der Familie und darum, wie schnell dieses Gefüge aus dem Gleichgewicht geraten kann.
Caroline Wahl: 22 Bahnen

Tilda studiert Mathematik und jobbt nebenbei an einer Supermarktkassa. Sie kümmert sich um den Haushalt und übernimmt die Verantwortung für ihre jüngere Schwester Ida, denn die Mutter der beiden ist alkoholkrank, die Väter nicht vorhanden. Zum Ausgleich schwimmt sie abends 22 Bahnen im örtlichen Schwimmbad. Als Tilda eine Promotionsstelle im fernen Berlin angeboten bekommt und Viktor in ihr Leben tritt, scheint ihr Leben eine positive Wendung zu nehmen. Doch ist ihre kleine Schwester stark genug, allein bei der Mutter zu bleiben?
22 Bahnen ist ein intensiver Roman über eine innige Schwestern-Beziehung, Verantwortung und bedingungslosen Zusammenhalt.